Autsch: Financial Times und das Kleingedruckte / 20.09.09
88 Jahre wird meine Schwiegermutter, mitten im Leben. „Das Stimmungsbarometer III/2009: Ihre Meinung ist uns viel wert“ las sie auf dem Papier, das ihr die Financial Times ins Haus schickte, und „Sie zählen zu dem ausgewählten Personenkreis, den wir bei unserem aktuellen “Stimmungsbarometer“ um Unterstützung bitten“. Und dann stand da noch etwas von Ersparnis, persönlichem Wissensvorsprung und ganz vielen Geschenken: ein Handy sollte es geben, eine Kaffeemaschine, ein MacBook und obendrauf noch ein Auto. Und „Vielen Dank für Ihre Meinung!“.
Na toll!
Also schaute sie genauer. Einen Zettel sollte sie ausfüllen. Mit riesigen Buchstaben steht oben „Das Stimmungsbarometer III/2009“. Dann folgen ein paar Fragen, was sie denn so von Konjunktur und Aktien hält, und ein fett gedrucktes Dankeschön. Darunter – immer noch fett und gut lesbar gedruckt – das „Ja, ich möchte mein Dankeschön!“ und die Aufforderung, sich ein Geschenk zu wünschen. Na ja, und dann kommt noch etwas, das kann aber eigentlich kein Schwein lesen, so ameisenklein und mickrig ist das gedruckt, höchstens 2 Millimeter sind die Buchstäbchen hoch: „Für das Ausfüllen des Fragebogens“ – aha, es gibt noch ein Geschenk! – „teste ich die FTD“ – was ist das denn wieder? – „6 Wochen lang zum Vorzugspreis von nur € 6,50 pro Woche …“ – aber bevor das Hirn sich damit befassen kann, dass es um ein stinknormales Zeitungsabo für über 500 € jährlich geht, springt das Auge schon auf die nächste fette Zeile „Ja, ich möchte dies und jenes gewinnen“.
Puh, richtig aufregend! Aber es kann ja nichts passieren, dadrunter steht ja doch „Die Teilnahme ist unabhängig von einer Bestellung …“.
Nach so viel Aufregung schnell Namen und Unterschrift drauf und los? Bloß nicht! Irreführung ist noch die schwächste Bezeichnung dieser Bauernfängerei: nirgendwo ist in eindeutiger Weise deklariert, dass man hier eine bindende Bestellung zu einem ansehnlichen Preis unterschreibt; im Gegenteil, mit dem Hinweis „Die Teilnahme ist unabhängig von einer Bestellung …“ wird suggeriert, dass alles harmlos ist, solange man nirgendwo eine zusätzliche Bestellung ankreuzt oder einträgt. Bleibt nur die Kündigung, wenn man merkt, dass man auf den Leim gegangen ist? Selbst der Hinweis darauf wird unappetitlich verkleidet: „Ein gesetzliches Widerrufsrecht besteht nicht, da ich [nach 6 Wochen] … kündigen kann“, die Formulierung ist offensichtlich darauf angelegt, vom Widerruf abzulenken. „Wer schreibt der bleibt“, so soll das gehen.
Wer so auf Dummenfang geht, dem soll ich vertrauen, wenn es um die seriöse Aufbereitung von Fakten und Meinungen geht? Autsch, das tut weh.

Christoph Strässer zum Weltkindertag am 20.9.2009 Danke für das Brückenfest!