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Private Großmutter / 14.08.11

Private Pflegeversicherung kürzt Leistungen

Privat versichert, das ist Luxus? Also, ich erzähle Ihnen dazu mal die Geschichte von den zwei Großmüttern:

Es war einmal eine Großmutter, die hatte immer brav in die gesetzliche Sozialversicherung eingezahlt und war darüber richtig alt geworden. Hatte ihren Mann bis zu seinem Tod zu Hause gepflegt und war noch viel älter geworden. Eines Tages reichten ihre Kräfte nicht mehr, um in die Badewanne oder vom Klo zu kommen, und die Not war groß. Da kam der Medizinische Dienst der Krankenkassen und hatte ein Einsehen. 2.557 Euro zahlte die gesetzliche Pflegekasse DAK, 16.000 Euro kratzte die Großmutter zusammen, und dafür gab es ein rollstuhlgerechtes Badezimmer in dem alten Haus. Jetzt kann die Großmutter zwar immer noch nicht laufen, aber sie kann duschen und aufs Klo gehen.

In der Familie gibt es noch eine andere Großmutter, die ist noch älter, bald an die 100 Jahre. Die hatte auch ihren Mann gepflegt, und auch sie kam nicht mehr in die Badewanne und auch nicht in die Dusche. Eines Tages fiel sie und brach sich etwas, da musste sie ins Krankenhaus, und ihr Sohn kam und baute das Badezimmer um. Diese Großmutter gehört nun zu den Glücklichen, die privat versichert sind, da dachte der Sohn, das gibt kein Problem, die private Pflegepflichtversicherung wird sicher auch etwas dazutun.

Aber weit gefehlt!, bei der privaten Versicherung gab es nur höhnische Worte und kein Geld für das neue Badezimmer. Wohlfeile Ratschläge gab es, die Großmutter solle doch darauf achten, dass ihre Dusche von drei Seiten aus zugänglich sei. Das verstand die Großmutter nicht, denn duschen konnte sie gerade nicht, weil die alte Dusche Mauern auf drei Seiten und eine zu hohe Schwelle auf der vierten Seite hatte. Also erhob ihr Sohn Protest bei der Debeka-Versicherung, und die schickte einen Obergutachter. Der hatte einen kräftigen Händedruck für die Großmutter und noch mehr höhnische Worte. Wer eine Badewanne und einen Badewannenlift habe, der sei damit gut bedient und brauche sonst nichts, sagte er, und dass die Großmutter diese Ausstattung schon hatte und zu schwach war um damit zurechtzukommen, ignorierte er einfach. Und ein höheres Klo mit stabilen Stützgriffen an der Wand? Das sei auch nicht nötig, sagte er, eine Toilettensitzerhöhung reiche aus, damit seien viele Leute sehr zufrieden. Hygieneprobleme, Behelf mit einer kleinen Öffnung, so dass man immer auf den Rand sch…t? Egal. Und dass die gesetzlichen Pflegekassen „großzügiger“ seien, dass wisse man bei der Debeka. Da hat die private Großmutter ganz tief in ihr Portemonnaie gefasst, und jetzt kann sie auch wieder duschen, wenn ihr der Pflegedienst hilft.

Und die Moral von der Geschicht? Entweder können die viel geschmähten gesetzlichen Kassen nicht mit Geld umgehen, oder: hat die private Pflegepflichtversicherung vielleicht ein finanzielles Problem, das sie auf dem Rücken ihrer Versicherten löst? Oder können die bei der Debeka nicht lesen? Im Sozialgesetzbuch steht „Die Pflegekassen können subsidiär finanzielle Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes des Pflegebedürftigen gewähren, beispielsweise für technische Hilfen im Haushalt, wenn dadurch im Einzelfall die häusliche Pflege ermöglicht oder erheblich erleichtert oder eine möglichst selbständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederhergestellt wird.“

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