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Plauderbahnhof Hiltrup / 27.09.10

Das alte Hiltruper Bahnhofsgebäude (2009)

Das alte Hiltruper Bahnhofsgebäude: heruntergekommen und verrammelt.

Nichtöffentliche Sitzungen heißen so, weil anschließend alles öffentlich wird? Beim Hiltruper Bahnhof scheint das so zu sein. Kaum hatte die Verwaltung im nichtöffentlichen Teil des Planungsausschusses am 23.9.2010 Auskunft zum alten Hiltruper Bahnhofsgebäude gegeben, konnten wir „beinharte Fakten“ in der Zeitung lesen: da gibt es einen Investor, der will das marode Gebäude komplett sanieren, will selbst den abgesoffenen Keller trockenlegen und Büros für den VSE schaffen, ein Café, Raum für den Kiosk, der bislang sehr beengt im alten Stellwerk Anlaufpunkt für die Pendler ist, und Klos und Sozialräume für die Busfahrer. Und die Stadt Münster soll noch daran verdienen: einen ganzen Euro, den soll der Investor als Kaufpreis für die Hütte blechen. Sagt die Zeitung und zitiert den Bezirksbürgermeister.

Marode ist die Hütte tatsächlich! So übel sieht es aus mit der Bausubstanz, dass die städtische Wohn+Stadtbau (W+S) nach näherer Prüfung schnell das Handtuch geworfen hat. Ganz öffentlich die W+S: zu hoch die Kosten, zu niedrig die zu erwartenden Einnahmen, Geld verbrennen will sie nicht. Nach ihrer Berechnung müsste sie 14,50 Euro pro m² Miete nehmen, um ein Minimalprogramm der Sanierung zu finanzieren; dabei würde der Keller einfach zugeschüttet, der gewaltige Aufwand für die Kellertrockenlegung wäre noch gar nicht drin. Und die potentiellen Mieter? Der VSE ist von Natur aus nicht reich, 7,50 Euro mag der vielleicht zahlen; der Kiosk dürfte nicht die Goldgrube sein, die eine hohe Miete einspielt, und die Verkehrsbetriebe? So weit die Fakten.

Und im Übrigen? Tja, da muss der Wohn+Stadtbau wohl etwas entgangen sein. Ob der VSE im Lotto gespielt und eine große Summe gewonnen hat? Oder gibt es in Zukunft das Wiener Café in Hiltrup, das Grotemeyer und Kleimann in die Pleite treibt und bei der BASF noch Parkplätze anmieten muss? Und die Klos für die Busfahrer, dürfen wir da an Marmor und Gold denken, ein großzügiges Geschenk an die Mitarbeiter, das sich die Stadtwerke richtig was kosten lassen? Im Ernst: wie soll der geheimnisvolle Investor das Ding denn stemmen, wenn er all die geplauderten Ankündigungen wahr machen soll? In der Konkurrenz zu leerstehenden Büroflächen über dem Aldi-Laden am Bahnhof und anderswo? Rechnet der anders? Will er das Gebäude sofort an jemanden anderes weiterreichen, der dort ganz was anderes vorhat?

Plaudertaschen haben also, wie man sieht, durchaus ihren Unterhaltungswert. Plaudereien und Probleme haben aber nicht umsonst denselben Anfangsbuchstaben: „Für einen Euro“ wird geplaudert, und Außenflächen soll es noch dazugeben – mit welcher Ausgangsposition soll die Verwaltung denn jetzt in die Verhandlungen gehen? Und der Investor: findet der es gut, wenn er schon vorab auf viele ehrenwerte und schöne Nutzungen genagelt wird, die aber leider nicht viel Geld bringen? Reden ist Silber, …

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