Fast 60 Prozent der Beschäftigten sind überzeugt, dass sich Leistung lohnt. 44 Prozent sind sogar bereit, mehr zu leisten, als ihr Arbeitsvertrag verlangt. Das ist alles andere als eine Gesellschaft, die sich vor Arbeit drückt. Gleichzeitig sagen viele Menschen: Freizeit, Familie und Gesundheit sind ihnen wichtiger geworden. Das ist kein Zeichen von Faulheit, sondern Ausdruck eines gewandelten Lebensverständnisses. Wer nach acht oder neun Stunden Arbeit noch Zeit für Kinder, Ehrenamt, Sport oder die Pflege von Angehörigen haben möchte, verweigert sich nicht der Leistung. Er setzt lediglich andere Prioritäten.
Diese Umfrage widerlegt ein Stück weit die Erzählung, Deutschland habe ein generelles Leistungsproblem. Wenn fast 60 Prozent an den Wert von Leistung glauben und fast die Hälfte bereit ist, mehr zu leisten als verlangt, dann liegt das eigentliche Problem offenbar weniger bei den Beschäftigten als bei den Bedingungen, unter denen sie arbeiten. Dort sollten Politik und Wirtschaft ansetzen – nicht bei pauschalen Vorwürfen gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Dabei sollten wir uns von einem Missverständnis verabschieden: Leistung ist keine Einbahnstraße. Beschäftigte schulden ihrem Arbeitgeber Einsatz, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Arbeitgeber wiederum schulden ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen, Vertrauen, Beteiligung, Entwicklungsmöglichkeiten und eine faire Bezahlung. Wer Leistung erwartet, muss auch Leistung ermöglichen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels können wir es uns nicht leisten, auf das Wissen, die Erfahrungen und die Ideen der Beschäftigten zu verzichten. Wer seine Mitarbeiter ernst nimmt, ihnen Verantwortung überträgt und ihre Vorschläge aufgreift, gewinnt engagierte Menschen, bessere Abläufe und mehr Innovation. Das ist nicht nur gut für die Beschäftigten, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen.
Wir sind jetzt in der Singularität. Das ist der Moment
Mit diesem Satz sorgte Sam Altman, Vorstandsvorsitzender des amerikanischen KI-Unternehmens OpenAI, vor wenigen Tagen weltweit für Aufmerksamkeit. Viele Menschen dürften die Meldung überlesen haben. Andere werden sich gefragt haben: Was soll das überhaupt bedeuten?
Der Begriff stammt ursprünglich aus der Informatik und Zukunftsforschung. Gemeint ist der Zeitpunkt, an dem sich technischer Fortschritt immer schneller selbst beschleunigt. Neue KI-Systeme helfen dabei, noch leistungsfähigere KI-Systeme zu entwickeln. Der Fortschritt verläuft dann nicht mehr in Jahrzehnten oder Jahren, sondern möglicherweise in Monaten oder sogar Wochen. Ob wir diesen Punkt tatsächlich schon erreicht haben, darüber wird unter Wissenschaftlern durchaus gestritten. Viele Forscher an Universitäten sind vorsichtiger als die Entwickler in den großen KI-Unternehmen. Unstrittig ist jedoch: Das Entwicklungstempo hat sich dramatisch erhöht. Vor drei Jahren konnte KI einfache Texte formulieren. Heute schreibt sie Gutachten, entwickelt Software, analysiert medizinische Bilder, erstellt Filme, komponiert Musik, unterstützt wissenschaftliche Forschung und hilft Unternehmen dabei, komplexe Entscheidungen vorzubereiten.
Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung macht Mut: 76 Prozent der Schülerinnen und Schüler können sich eine Berufsausbildung vorstellen. Und noch erfreulicher: Neun von zehn Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Das zeigt, dass die duale Ausbildung für viele junge Menschen ein guter und erfolgreicher Weg ins Berufsleben ist. Die Konsequenz daraus kann eigentlich nur lauten: Schulen aller Schulformen sollten die Berufsorientierung weiter stärken und Praktika als festen Bestandteil der Schullaufbahn verstehen. Ein Praktikum vermittelt Erfahrungen, die kein Unterricht ersetzen kann. Jugendliche entdecken ihre eigenen Stärken, lernen Berufe realistisch kennen und knüpfen erste Kontakte zu Betrieben.
Dabei habe ich über viele Jahre eine Erfahrung gemacht: Die besten Praktikumsbetreuer sind häufig die Auszubildenden selbst. Sie sprechen die Sprache der Jugendlichen, kennen deren Fragen und Unsicherheiten und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Gerade deshalb sind sie glaubwürdige Botschafter für ihren Beruf und ihren Ausbildungsbetrieb. Auch für die Betriebe lohnt sich dieser Ansatz. Die Rückmeldungen der Auszubildenden über Praktikantinnen und Praktikanten sind oft erstaunlich treffsicher. Sie erleben die jungen Menschen im Arbeitsalltag, erkennen Motivation, Teamfähigkeit und Interesse häufig besser als ein kurzes Vorstellungsgespräch. Solche Einschätzungen können bei der Auswahl zukünftiger Auszubildender eine wertvolle Entscheidungshilfe sein.
Früher wurden Kleingärten häufig als Freizeitflächen betrachtet. Heute sprechen Wissenschaftler zunehmend von einer wichtigen Infrastruktur für die Klimaanpassung. Denn mit jedem heißen Sommer wird deutlicher, wie sehr Städte unter aufgeheizten Straßen, versiegelten Flächen und fehlendem Schatten leiden. Jede größere Grünfläche hilft dabei, diese Entwicklung abzumildern. Auch die Art der Bewirtschaftung spielt dabei eine Rolle. Naturnahes Gärtnern mit großen Bäumen, wenig versiegelten Flächen, Mulch statt nackter Erde und einem sparsamen Umgang mit Wasser verbessert die kühlende Wirkung zusätzlich. So entstehen kleine grüne Oasen, die nicht nur den Gartenbesitzern zugutekommen, sondern dem gesamten Umfeld.
Dabei erleben Kleingärten derzeit eine bemerkenswerte Renaissance. Während manche Vereine vor einigen Jahren Schwierigkeiten hatten, frei werdende Parzellen neu zu vergeben, sind heute vielerorts wieder Wartelisten entstanden. Immer mehr Familien, junge Menschen und Senioren entdecken den Wert eines eigenen Gartens neu – als Ort der Erholung, der Bewegung, der Selbstversorgung und der Begegnung.
Wer in Hiltrup in der Hohen Ward spazieren geht, ahnt kaum, dass sich dort eine der nachhaltigsten technischen Anlagen Münsters verbirgt. Seit über 120 Jahren sorgt das Wasserwerk Hohe Ward dafür, dass hunderttausende Menschen zuverlässig mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Was damals als mutige Investition begann, erweist sich heute – im Zeitalter des Klimawandels – als erstaunlich weitsichtig. Als das Wasserwerk 1906 seinen Betrieb aufnahm, stand vor allem die Versorgung einer wachsenden Stadt im Mittelpunkt. Niemand sprach von Nachhaltigkeit oder Klimaanpassung. Und doch entstand hier ein System, das genau diese Eigenschaften besitzt.
Der Schlüssel liegt in der künstlichen Grundwasseranreicherung. Das Wasserwerk entnimmt Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal. Ein erheblicher Teil dieses Kanalwassers stammt aus dem Einzugsgebiet der Lippe. Doch dieses Wasser fließt nicht direkt in unsere Wasserhähne. Zunächst wird es vorgereinigt und anschließend in große Versickerungsbecken geleitet. Dort beginnt ein Prozess, den keine technische Filteranlage besser beherrscht als die Natur selbst. Langsam sickert das Wasser durch die sand- und kieshaltigen Böden der Hohen Ward. Auf seinem Weg durch den Untergrund wird es über Wochen hinweg auf natürliche Weise gefiltert und gereinigt. Erst danach wird es über Förderbrunnen wieder gewonnen, aufbereitet und als hochwertiges Trinkwasser in das Versorgungsnetz eingespeist.
Die aktuelle Diskussion über die geplante Steuerreform zeigt ein grundsätzliches Problem der Bundes-Politik. Es geht längst nicht mehr nur um ein paar Euro mehr oder weniger Einkommensteuer. Entscheidend ist doch für die Meisten, was am Ende des Monats tatsächlich im Portemonnaie bleibt. Wenn einerseits von einer Entlastung gesprochen wird, gleichzeitig aber höhere Sozialversicherungsbeiträge, steigende Pflegekosten und weitere Belastungen angekündigt werden, fühlen sich viele Menschen nicht ernst genommen. Sie rechnen selbst nach – und stellen fest, dass die versprochene Entlastung oft deutlich kleiner ausfällt oder sogar ganz verschwindet. Ich halte das für einen politischen Fehler des Finanzministers.
Die Bürgerinnen und Bürger wissen sehr genau, dass Deutschland vor großen Herausforderungen steht. Seit Jahren sprechen wir über den demografischen Wandel. Jetzt erleben wir seine Folgen: Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Rentner, Pflegebedürftige und Gesundheitsleistungen aufkommen. Das überrascht eigentlich niemanden. Nach meiner Überzeugung wären viele Menschen durchaus bereit, ihren Beitrag zu leisten. Sie akzeptieren auch Mehrbelastungen – wenn diese offen erklärt werden, nachvollziehbar sind und als gerecht empfunden werden. Diese Transparenz und Offenheit vermisse ich.
Manchmal habe ich den Eindruck, wir Babyboomer in NRW waren unser ganzes Leben lang vor allem eines: „Viele!*
Damals schon zu viele für die Kindergärten. Es gab schlicht nicht genügend Plätze. Zu viele für die Schulen. Klassen mit mehr als 35 Schülerinnen und Schülern waren keine Seltenheit. Lehrermangel? Den kannten wir lange bevor das Wort wieder modern wurde. Unterrichtsausfall gehörte zum Stundenplan, dafür ging es selbstverständlich auch samstags in die Schule. Manche Lehrer erzählten uns mehr vom Krieg als vom Lehrplan – sie hatten ihn schließlich selbst erlebt.
Nach der Schule warteten keine offenen Arme der Arbeitgeber. Wer eine Lehrstelle oder einen Job wollte, schrieb Bewerbung um Bewerbung. Mit der Olympia-Schreibmaschine. Und wehe, nach zwei Tipp-Ex-Korrekturen war noch ein Fehler auf der Seite. Dann hieß es: Blatt heraus, neues Papier einspannen und von vorne beginnen.
Wenn wir an das Autofahren früher denken, fallen uns oft die schönen Seiten ein. Weniger Verkehr, kurvenreiche Straßen, kaum Staus. Man fuhr einfach los.
Was wir dagegen leicht vergessen: Autofahren war deutlich gefährlicher.
In den 1970er-Jahren starben Jahr für Jahr mehr als 20.000 Menschen auf Deutschlands Straßen. Besonders Landstraßen galten als gefährlich. Schmale Fahrbahnen, Bäume direkt am Straßenrand, unübersichtliche Kreuzungen und hohe Geschwindigkeiten führten immer wieder zu schweren Unfällen. Fast jede Familie kannte jemanden, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam oder schwer verletzt wurde. Auch im Münsterland gehörten tödliche Unfälle auf Bundes- und Landstraßen leider viel zu oft zu den Schlagzeilen. Heute sieht das glücklicherweise anders aus.
Obwohl heute deutlich mehr Menschen unterwegs sind und wesentlich mehr Fahrzeuge zugelassen sind, ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland auf rund 2.700 pro Jahr zurückgegangen. Moderne Fahrzeuge mit Airbags, ABS, ESP und Notbremsassistenten, bessere Straßen, Kreisverkehre, konsequentere Rettungsketten und strengere Verkehrsregeln haben tausende Menschenleben gerettet. Das ist einer der größten, aber oft übersehenen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte. Dennoch sollten wir uns nicht zurücklehnen.
Die aktuelle Diskussion über notwendige Einsparungen im Bundeshaushalt trifft wieder einmal ausgerechnet die Menschen, die ohnehin wenig haben. Ich finde, es fehlt an Ideen, wo man besser sparen kann. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Frage: Wie viel Geld verschlingt eigentlich die Verwaltung der Sozialleistungen?
Nehmen wir das Beispiel einer alleinerziehenden Mutter in Münster. Sie arbeitet geringfügig im Einzelhandel und hat zwei Kinder in Kindergarten und Grundschule. Sie muss – je nach persönlicher Situation – häufig mit einer Vielzahl unterschiedlicher Leistungen und Behörden umgehen:
Bürgergeld
Kindergeld
Wohngeld
Unterhaltsvorschuss
Zuschüsse zu den Kita-Beiträgen
Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (z. B. Mittagessen, Klassenfahrten oder Vereinsbeiträge)
Übernahme von Unterkunfts- und Heizkosten
Förderleistungen für Weiterbildung oder Arbeitsaufnahme
gegebenenfalls weitere kommunale Unterstützungsangebote
Wer in Deutschland den Autoführerschein machen will, muss inzwischen oft mehrere tausend Euro einplanen. Das ist für viele junge Menschen eine erhebliche Hürde, besonders dort, wo Bus und Bahn keine verlässliche Alternative sind. Doch der Blick in europäische Nachbarländer zeigt: Deutschland ist mit seinen Preisen nicht unbedingt ein Ausreißer. Die Kosten für Fahrschule und Prüfungen sind in Deutschland zuletzt stärker gestiegen als die allgemeine Inflation. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verteuerten sich Fahrschulleistungen und Prüfungen 2024 gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent. Die allgemeinen Verbraucherpreise stiegen im selben Zeitraum deutlich langsamer. Als Gründe gelten höhere Personal-, Fahrzeug- und Kraftstoffkosten. Besonders teuer wird es, wenn viele zusätzliche Übungsstunden nötig werden oder Prüfungen wiederholt werden müssen.
Eine pauschale Summe gibt es allerdings nicht. Je nach Region, Fahrschule und individuellem Lernfortschritt liegen die Gesamtkosten für Klasse B meist zwischen 2.500 und 3.500 Euro, in Einzelfällen deutlich darüber. In Städten sind mehr Fahrstunden häufig unvermeidlich: dichter Verkehr, Radverkehr, komplizierte Kreuzungen und Parksituationen erhöhen den Übungsbedarf. Auf dem Land ist die Ausbildung zwar nicht automatisch günstig, oft aber weniger zeitaufwendig. Trotzdem ist die verbreitete Aussage, der deutsche Führerschein sei im europäischen Vergleich besonders teuer, nur die halbe Wahrheit.